Alles, was ich nicht sagen kann … kann ich schreiben!

Manchmal tut es gut, Dampf abzulassen, wenn die Gefühle drücken, mir immer wieder mit spitzem Finger in den Bauch pieksen – denn mal ehrlich: wie oft sind wir einfach nur diplomatisch? Na klar, immer rauszuhauen ist nicht unbedingt ratsam, denn auch wenn Authentizität ganz oben steht, wäre man wohl irgendwann ziemlich allein auf der Welt, würde man alles genau so aussprechen, wie man es denkt.

Aber da gibt es die Worte, die in uns schlummern – fein säuberlich gefaltet oder nachlässig reingeknallt in Schubladen unseres Innenlebens.
Worte, die wir gern mal rauslassen würden – ohne Filter, Regulation, ohne „Das sagt man aber nicht“, ohne Konsequenzen.

Also leg los! Schreib einen Brief, ein Pamphlet, die Rede zum 70sten, die Du nie halten wirst – zig Lieblingsschimpfwörter in einem Absatz, ohne darüber nachzudenken, ob das jetzt konstruktive Kritik ist oder angemessen formuliert! 

Warum das Ganze? Schreiben stärkt auch durch Entlastung. Raus-schreiben, ent-schreiben, los-schreiben.
Das macht nicht nur leichter, das kann sogar Spaß machen – mal richtig die verbale Sau rauszulassen. Trau Dich!

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Chef, Lehrer, Ex-Partner*in, Eltern … – wem würdest Du gern mal so richtig die Meinung verpulen?
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„Ganz und gar man selbst zu sein, kann schon einigen Mut erfordern!“

Soulwriters-Club

Na dann – her mit dem Mut! 
Mit einer tollen Schreibübung, die Dich darin bestärken soll, so zu sein, wie Du bist – mit all Deinen Facetten, Ecken und Schrägen, Kanten und Wunderbarheiten: Zeig Dich! Pfeiff auf Trends, auf „Das kannst Du doch nicht machen“, auf „Was sollen die Leute denken“, schüttle die Konventionen ab.
Fang schreibend damit an. 
Denn auf Papier kannst Du alles sein!

❤️ Hab mindestens 15 Minuten Zeit
🖌 Schnapp Dir einen Block und einen Stift
❤️ Und da Stress ein Kreativitätskiller ist, mach doch vorher noch Folgendes:
🖌 Atme tief durch die Nase mindestens 4 Sekunden in den Bauch ein, kurz halten und den Druck wahrnehmen, dann durch den Mund langsam kontrolliert ausatmen. Wiederhole das 3 Mal. 

❤️ Und nun schließe die Augen und stelle Dir folgende Frage:

„Wenn ich allen Mut und alles Selbstvertrauen hätte – dann wäre ich …“

🖌 Öffne Deine Augen – und schreib drauflos!

„Write!“

Soulwriters-Club

„Keiner von uns kommt lebend hier raus. 
Also hört auf, euch wie ein Andenken zu behandeln. 
Esst leckeres Essen. 
Spaziert in der Sonne. Springt ins Meer. 
Sagt die Wahrheit und tragt euer Herz auf der Zunge. 
Seid albern. Seid freundlich. Seid komisch. 
Für nichts anderes ist Zeit.“
– Sir Anthony Hopkins –

Hätte, wäre, sollte, würde, müsste – was, wenn diese Worte in Ihrer Bedeutung uns nicht ständig bremsen und hadern lassen würden? Was, wenn wir Frieden schließen könnten mit allem, was uns aus der Vergangenheit noch piekt – was, wenn wir „müssen“ mit „wollen“ ersetzten?
Achte doch mal auf Deinen inneren Dialog, wie oft kommen „hätte“ und „müsste“ darin vor?

Wo ich sein kann

Soulwriters-Club

Ein Text von mir aus einem Schreibseminar, an dem ich 2021 teilgenommen habe. Assoziatives Schreiben – es wurden Worte über die Anreise, die Wahrnehmung, das Ankommen, das Zusammenfügen.

Kommt gut ins Wochenende! ❤️

🖋Wo ich sein kann🖋

Da draußen zerfließe ich in tausend Teile 
Ich atme schneller 
Meine Beine laufen zügig 
Alles habe ich im Blick 
Ach, könnte der Tag doch tausend Stunden haben 
Und ich renne und renne – und meine Gedanken springen auseinander 
Sie rücken in Ecken 
Drängeln sich vorwitzig in meinem Kopf 
Jeder meint, er sei der Wichtigere 
Laut sind sie 
Sie drücken und zwicken, sie zischeln und ermahnen: 
Denk an MICH 
Und dann die Tür, der Raum. Diese Stunden nur für mich 
Ich füge mich zusammen 
Es wird ganz still in mir 
Nur noch eine Stimme, ruhig und klar 
Ein Gefühl wie ein Vakuum aus Warten 
Aus Nervenzellen, die langsam glatt werden und Luft holen 
Ich darf. Ich muss nicht 
Ich trage das Schönste in mir 
Worte sind Freunde, die ich immer um mich haben kann 
Eine natürliche Bewegung, die ihnen innewohnt 
Sie streicheln und trösten, sie wühlen auf und fordern heraus 
Und ich – bin nicht mehr tausend Teile 
Ich lasse Lärm vor der Tür, und das hektische Rauschen 
Und das Müssen
Meine Zeit, mein Leben, mein Weg 
Ich bin wieder hier
Da, wo ich sein kann

– Julia Schröder-Göritz – 

Zum ersten Mal das letzte Mal

Soulwriters-Club

Heute war ich zum ersten Mal das letzte Mal für jemanden. Der letzte Mensch, für den er eine Sicherung rausgeschraubt oder eine Leitung überprüft hat. „So, fertig. Für heute war’s das, nächstes Mal komme ich nicht mehr, das macht dann ein Kollege…“ 
Wortkarg ist er die Stunde über gewesen, freundlich aber nicht sehr redselig. Ein ruhiger Mann, den Blick öfter in die Ferne als in meine Augen gerichtet, rötliche Gesichtsfarbe, die nach erhöhtem Blutdruck aussieht, graue, etwas dünne, zerstrubbelte Haare.

Und dann steht er vor mir und spricht diese Sätze mit soviel Gewicht, dass ich nach Worten suchend zunächst nur „Oh!“ hervorbringe. Fragend schaue ich ihn an, er spricht weiter: „Ja, es geht in Rente …“ Ob er froh darüber ist oder auch bedauert, ich bin mir nicht sicher, ich versuche immer noch, diese plötzliche Nähe einzusortieren.

Länger werden die Minuten, ich habe den Eindruck, er möchte nicht gehen – und auf einmal den Gedanken: „Ich habe ja gar nichts für ihn – das ist so wenig feierlich jetzt!“ Natürlich habe ich nichts für ihn, wie sollte ich? Warum hat mir denn niemand Bescheid gesagt? Der letzte Kunde, der letzte Termin, da sollte etwas Schönes auf jemanden warten.
Ich versuche es mit einem Lächeln und Worten, wünsche ihm alles Gute für den Ruhestand, er nickt dankend: „47 Jahre, ja, das reicht dann auch“, sagt er noch, während er den silbernen Türgriff herunterdrückt, die Tür aufzieht und einen Schritt nach draußen macht. Zum ersten Mal das letzte Mal.

✒️ Erinnerst Du Dich an ein „Zum ersten Mal das letzte Mal?“

Entschreibe Dich!

„Ja, Authentizität ist heute das A und O. Die Superkraft. Also: Sei ganz authentisch, sei Du selbst. Aber bitte nicht zu sehr. Nur so, dass es für die anderen angenehm bleibt. Pflegeleicht. Bitte nur gute Gefühle. Sei nicht so laut, sei nicht so empfindlich, und Himmel, Arsch und Zwirn – sei doch bitte etwas diplomatisch.“ 

Das alles hast Du so verinnerlicht, dass Du Dich selbst gar nicht mehr so richtig greifen kannst? Dass Du Dich für Deine anstrengende, fordernde Art schon im Voraus entschuldigst? Und wenn jemand auf Dich reagiert, suchst Du den Fehler erstmal bei Dir, Deine Glaubenssätze ballern Dir ständig ins Broca-Areal Deines Gehirns: „Ich bin ja auch etwas kompliziert. Ich war schon immer eher schwierig.“  Mein Vorschlag: Entschreibe Dich. Leg Dich frei, schieb den ganzen Mist mit einem schwungvollen Tintenstrich zur Seite und komm zu Dir selbst, fühl hin, nimm Kontakt zu dem Menschen auf, der Du wirklich bist. Und zeig Dich mit allem, was dazugehört!

Foto: Lisa.Fotios (Instagram-Account), Foto von Pixels.

Die Sache mit der Poesie und den Melonen

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Gedichte. Hatten für mich als Teenager den faden Beigeschmack von Milch aus wabbeligen Tüten, Schulküchen-Graupen, Hagebuttentee in Plastikbechern und dem Herumknabbern auf Blockflötenmundstücken, kurz: den Geschmack der Grundschule.
Doch mit ein bisschen mehr Abstand zu dieser Zeit der rot-blau geringelten Schlupfmützen hat sich bei mir eine echte Liebe zu Gedichten und zur Poesie entwickelt und ich meine: In vielen Bereichen des Lebens ist Poesie zu finden, nicht nur im Theater oder zwischen zwei Buchdeckeln. 
Kochrezepte können etwas Poetisches haben, Aufkleber an Ampelpfeilern, Geburtstagskarten, Tagebucheinträge – und Songtexte. Einer der für mich größten … nä! DER größte Poet der deutschsprachigen Musikszene ist für mich seit 1994 Jan Plewka, der Sänger von Selig. Es lohnt sich sehr, seinen Lyrics aufmerksam zuzuhören. Die saugeile Musik dazu ist natürlich auch nicht verkehrt. 😎

⚡️⚡️Und heute aus der Kategorie „Büschn plietscher“ ⚡️⚡️(Hamburgisch für „Bisschen schlauer“): Der Unterschied zwischen Gedicht und Poesie? Poesie ist eine literarische Form. Ein Gedicht ist ein schriftliches Werk, ein literarisches Erzeugnis. Also: Poesie und Gedicht ist wie Früchte und Melone.
„Poesie“ kommt aus dem Griechischen und bedeutet Erschaffung/Dichtung. Man teilt sie in drei Gattungen auf: Dramatik (Theatestücke), Lyrik (Lied, Sonett, Elfchen…) und Epik (Novelle, Sage, Romane, Erzählungen …)

Schreibsachen, die anfassen und berühren

Richtig und falsch gibt es nicht, zumindest nicht im Bereich der Gefühle. Und Schreiben ist in erster Linie genau das: Gefühl. Beziehungsweise einem Gefühl Worte anzuziehen und dadurch für andere hörbar zu machen. Vorstellungskraft, Kontakt zu sich, loslassen, einlassen, weglassen und zulassen – boah, alles, jawoll – alles darf sein. Und sich mal so richtig auslassen. Also Spaß soll es machen, dieses Schreiben von innen heraus – es kann auch mal pieken, aber das kannste dann ja aufschreiben. Dann geht es auch damit. Du möchtest loslegen? Und das gern in Gesellschaft, mit anderen, die ähnlich ticken und weniger tiktoken? Obwohl – Du ahnst es – selbst darüber kann man schreiben. Auch wenn man es noch nie gemacht hat, denn:

Man muss nicht in der Bratpfanne gelegen haben, um über ein Schnitzel zu schreiben.

Maxim Gorki