Gedankenkiosk

Gedankenkiosk - Kolumne

Keine Zeit zum Lesen? Hier der Gedankenkiosk zum Hören:

Gedankenkiosk – der Blogcast!

Kein Vizefreitag aber Fülle im Kopf und im Herzen. Tage wie die schönsten Töne und die buntesten Farben, wie das Harken von Sand in kleiner Schale, wie Katzenfell und weiche Hundeohren. Menschen auf Bühnen, singend und sprechend, und immer wieder dieser eine Gedanke: Was wäre das Leben ohne Kunst und Kultur? Fad. Auf die letzten Jahre zurückgeschaut und wieder einmal flatterte der Begriff „Systemrelevant“ im Gedankenkiosk vorbei. Künstler, die selber zusehen mussten, wie sie klarkommen – und falls mit Hilfen unterstützt,  diese finanzielle Unterstützung bis heute in Raten wieder abstottern. 

Leben wir wirklich noch immer in einer Gesellschaft, in der Malen, Singen und Co als „Nice to have“ in die Kopftätschelschublade sortiert wird? Mir ist der Unterschied einer medizinischen Behandlung und eine Konzertes natürlich bewusst, aber für meinen Geschmack denken wir viel zu einseitig, in viel zu starren Rastern. Was nicht wissenschaftlich bewiesen ist, hat keine Gültigkeit. What the F..k? Sollten wir uns statt dieser Arroganz nicht lieber an Sokrates halten und eingestehen „Ich weiß, dass ich nichts weiß“? Ich bin mir sicher: Bevor Pythagoras und Platon der Erde die Kugelform verpassten, meinten die Menschen auch zu 100%ger Sicherheit, dass die Erde eine Scheibe ist und Punkt. „Öhm, naja – hör mal –  ist doch nix anderes wissenschaftlich bewiesen!“ 

Aber ich schweife ab – worum es mir geht: Es gibt mehr Dinge, die für die Seele und die körperliche Gesundheit eines Menschen ebenso wichtig sind, wie Spurenelemente und Ausdauersport. 

Unsere Gefühle sind in meinen Augen ein zentraler Punkt für unser Wohl- und Missempfinden – und keinen Kontakt zu ihnen zu haben, kann krank machen. Und beraubt uns einer wichtigen Eigenschaft: Mitgefühl. Und nun kommt’s: Kunst in jeglicher Form bringt uns mit uns in Kontakt! Sie erzeugt Gefühle, holt sie hervor, konfrontiert uns mit ihnen. 

Die letzten zwei Wochenenden waren voll mit Aktivitäten – und voller Gefühle, und ich fühle mich heute energiegeladen und in Kontakt mit mir, obwohl ich mitten im Umzug stecke. Da war Freude über den Mut und die Kreativität von Künstlern am Freitag bei einem Singer Slam, Faszination und Demut am Samstag im Planetarium, Sonntag Spannung und Spaß im Escape-Room. Am nächsten Freitag wieder ein Gefühl von „Erfüllt sein“ beim Konzert von Jan Plewka und Marco Schmedtje im Nochtspeicher, am Samstag Zuneigung, Neugierde und Freude bei guten Freunden und guten Gesprächen, und gestern dann Trauer und Begeisterung gleichzeitig im Theater. 

Wenn ich das so lese müsste ich fix und fertig sein – eine Gefühlsparty, eine Emotionenflashmob. Aber – es tut gut. Und ich bin dankbar, denn Kunst und Kultur machen das mit mir. Heute denke ich einmal wieder über die Endlichkeit des Lebens nach, über die wunderbare Gefühlsduselei, die ich mir nicht nur erlaube, sondern die ein Teil von mir ist, meine Tränen im Theater, da ich „Dienstags bei Morrie“ vor 27 Jahren gelesen habe, aber nicht wieder, seit ich einen geliebten Menschen vor zehn Jahren beim Sterben erlebt habe. Das Stück hat mich noch einmal anders berührt, Trauer hervorgeholt und andere Fragen gestellt. Und auch wenn ich mich nicht gern in bereits gelebtem Schmerz aufhalte, klingt es positiv nach. Und ich bleibe dabei: Gefühle sind unser höchstes Gut. Lasst sie zu, pflegt sie, macht ihnen Platz, äußert sie, teilt sie, nehmt sie ernst, nehmt sich wahr, beschäftigt Euch mit ihnen und setzt Euch mit ihnen auseinander. Sie machen uns menschlich. Und das kann nur Gutes hervorbringen.

Von Matjes, Indien und dem unerschütterlichen Glauben an das Leben

Vom Glauben an das Leben

„Keine Kartenzahlung möglich“ Mist, kaum Bargeld dabei. Ich wühle in meiner Tasche, krame 12,50 Euro zusammen und gehe auf den Eingang zu. Ringsherum flaches Land, Felder, neue Straßen, Schilder, die Autos umleiten und Schilder, die sie stoppen. Mitten in der kahlen Landschaft ein großes Haus, unförmig sieht es aus. Gedrungene Mauern, ein Dach wie eine zu tief in die Stirn gezogene Kappe, ein flacher Anbau, der im Verhältnis größer ist als das ganze Haupthaus. Rote Schindeln, ansonsten viel Blau und Weiß, Fischladenfarben. 

„Fischbrötchen in der Umgebung“ an Neujahr zu finden, ist wie auf eine Tankstelle am Rande einer Landstraße zu hoffen. Doch da ist sie – zwischen Baustellenschildern und frischem Teer ragt das Gebäude heraus. 

Ich drücke die kühle Klinke herunter, es bimmelt neben mir, vor mir ein Tresen mit verschiedenen Fischsorten, ein paar Tische mit Stühlen und Bänken, maritime Deko, Fischernetze, Muscheln, links in der Ecke sitzt ein Seemann aus Holz. Hinter dem Tresen eine Frau, ihr Alter ist schwer zu schätzen, um die Fünfzig, tippe ich. Hellbraune Haare, ein bisschen grau an den Seiten, Zopf, Pony. Groß ist sie, bestimmt 1,75 Meter, sie trägt eine weiße Schürze und eine eckige Brille, durch die mich ungeschminkte Augen freundlich anschauen.
„Moin!“ grüße ich sie.
„Moin! Was darf’s sein?“
Ich schaue auf die Fischbrötchen-Preistafel, zwei Matjes und ein Flammlachs mit Pfeffer sind drin. Sie greift in die Theke und verschwindet nach hinten in die Küche. Ich sehe mich um. Rechts von mir ein durch eine Scheibe abgetrenntes Büro. Darin ein Schreibtisch, den man nicht erkennen kann, da er über die Ränder voll ist mit Zetteln und Belegen, Aktenschränke, ein Telefon. Das sieht nach Arbeit aus und nach einem Chaos, das nur eine Person verstehen kann – und das man auf keinen Fall aufräumen darf, weil man sonst nichts wiederfindet. Der Geruch der geräucherten Fische zieht ein bisschen in der Nase. Nicht schlimm, aber so, dass ich mich doch frage, ob gleich meine Haare und meine Klamotten danach riechen werden.

Sie kommt zurück mit einer Tüte voll Fischbrötchen: „Soooo….!“ Mir fällt etwas ein: „Mensch, ich hab Ihnen gar nicht ein Frohes Neues Jahr gewünscht beim Reinkommen, entschuldigen Sie, total verdaddelt.“
Sie lacht nur und antwortet: „Ach Du, macht doch nix, hab ich auch total vergessen. Ich bin heute schon wieder so im Büromodus, das muss ja alles bald fertig sein.“
Das t bei „fertig“ spricht sie wie doppelt D, ich mag das. Ich zahle – und noch einmal werfe ich einen Blick durch die Scheibe auf die Papierberge, sie folgt meinem Blick: „Oha… das sieht nach Arbeit aus!“, ich greife nach der Tüte und gehe ein paar Schritte Richtung Tür.

„Ja, und da das schnell fertig werden muss, dachte ich – wenn ich eh hier bin, dann kann ich auch den Laden aufmachen“, erwidert sie lachend. 

„Naja, ich muss sagen – Glück für uns, aber für Sie, heute zu arbeiten?“, ich taste nach dem Türgriff.

„Das ist ok, bis zum Elften soll das ja erledigt sein, denn dann geht’s in den Urlaub!“ Sie strahlt. Und sie schaut, als würde sie auf eine Frage warten. Die meisten Menschen suchen nach Antworten. Sie wartet auf Fragen. Ihre Einsamkeit steht neben ihr und schaut mich an.

Kurz der Gedanke an meinen Mann und unseren Hund wartend im Auto, aber beide sitzen trocken und warm – und ich beschließe, die Zeit zu verlangsamen. Meine Hand gleitet von der Klinke und ich drehe mich wieder zu ihr: „Oh, wie schön, Urlaub! Fahren Sie weg?“
„Ja!“, ihre Augen leuchten nun eine Nuance heller, bilde ich mir ein, „am 11.1. sitze ich im Flieger!“ 

Wieder ein Warten. Wieder eine Frage: „Wo geht es denn hin?“

Plötzlich senkt sie die Augen, legt den Kopf etwas schief und zieht die Schultern ein klein wenig nach oben, sie antwortet: „Also ich habe mir da mal was richtig Besonderes gegönnt. Ich war seit 2009 nicht mehr im Urlaub.“ 

Ich schaue sie aufmunternd und fragend an.

„Ich fliege nach Südindien“, sie strahlt.

„Wow! Wie toll!“, entfährt es mir. 

Mit einem Mal steht sie wieder gerade und schaut mir direkt in die Augen. Sie geht um den Tresen herum und steht nun vor mir.

„Ich habe neulich auf Netflix so eine Doku geschaut über die Unterkunft, in die ich auch fahre – und da habe ich mich so gefreut, als wäre ich schon dort.“ 

„Ach, das kann ich gut verstehen, wie schön für Sie, das wird bestimmt ganz großartig!“, antworte ich. 

Sie erzählt weiter: „Weißt Du, mein Mann hat mich 2019 wegen einer anderen verlassen, ich musste in den letzten drei Jahren meine vier Angestellten entlassen, die Baustelle hier um den Laden herum, die schneidet mir immer wieder die Kundschaft ab, die Corona-Auflagen … das waren keine leichten Jahre.“ Sie fährt fort: „Und 2019 habe ich beschlossen, all mein Trinkgeld konsequent zur Seite zu legen, um eine Reise zu machen. Um mal etwas zu machen, bei dem es nur um mich geht. Nicht am Haus arbeiten – das habe ich nämlich von meinen Eltern geerbt – nicht im Laden stehen … nur um mich.“ 

„Was für ein guter Entschluss“, nicke ich ihr zu. 

„Im Oktober habe ich das Geld gezählt – und was soll ich sagen? Ich hatte es zusammen. Es war so viel – ich habe direkt gebucht!“, lacht sie. 

Ich lache mit: „Fantastisch!“ 

„Ja, und ich weiß, das ist alles sehr luxuriös, was ich da mache, ich meine drei Wochen Südindien, aber das ist echt ein Traum …“, sagt sie. 

„Den Sie sich selbst erarbeitet haben“, ergänze ich. „Das ist doch toll! Ich freue mich sehr für Sie!“ 

Sie schaut ohne Ziel an die Decke: „Ja, ich glaube auch nicht, dass die Dinge einfach nur so geschehen, ich meine – vielleicht hält das Leben noch irgendwas für mich bereit.“ 

Tief atme ich ein und betrachte sie. Da steht ein Mensch vor mir, der in den letzten drei Jahren so viele Nackenschläge kassiert hat – und glaubt an das Leben.

„Mit der Einstellung bin ich mir sicher, dass Sie eine fantastische Zeit haben werden, genießen Sie das, wer weiß, was Ihnen dort alles Wundervolles begegnet“

Wir schauen uns einen Moment an. 

„So, nun habe ich aber genug gesabbelt“, sagt sie schnell.

„Ich danke Ihnen für Ihre Geschichte“, erwidere ich.

„Danke“, lächelt sie, „und kommt gut nach Hause – fahrt vorsichtig, die rasen hier manchmal wie die Bekloppten“ 

„Vielen Dank, machen wir. Eine gute Reise wünsche ich Ihnen.“ Es bimmelt neben mir, ich mache einen Schritt raus in die kühle Luft, hinter mir fällt die Tür ins Schloss.

Wenn wir Menschen begegnen, dann treffen wir sie in Räumen. In Räumen mit Wänden wie Drogeriemärkte oder Fischläden, Schuhgeschäfte oder Wartezimmer, aber auch in ihren emotionalen Räumen, ihren Erinnerungen, ihrer Trauer und ihrem Glück. 

Immer wenn uns ein anderer Mensch an seinen Gedanken teilhaben lässt, öffnet er oder sie uns eine Tür und lässt uns herein. Manchmal nur bis in die Diele, manchmal werfen wir einen Blick in den Keller, manchmal sehen wir das ganze Haus. 

Und immer dann, wenn uns jemand etwas von sich erzählt, wenn uns jemand hereinbittet, dann kann Nähe entstehen – wenn wir nur zuhören. Ob mit engen Freunden, Bekannten oder Fremden, wir werden für einen Moment Teil ihrer Geschichte.
Nicht immer bleiben wir für lange, manchmal bittet uns jemand nur ein einziges Mal herein und manchmal bleiben wir nur kurz und schließen danach für immer die Tür hinter uns. Doch jeder einzelne, noch so kurze Schritt über eine Türschwelle in die Geschichte eines Menschen ist kostbar und ist es Wert, dass wir uns die Zeit nehmen, bei ihm zu verweilen und hinzuhören.

Vom Anpacken und Loslassen

Springen, anfangen, durchbeissen, jubeln, Luft holen, Ärmel hochkrempeln, reinschauen, weit blicken, entscheiden – und … loslassen. Die Selbstständigkeit ist ein Konzept, von dem ich vier Jahrzehnte niemals gedacht hätte, dass wir zusammengehören. Das war nicht mein Selbstbild, nicht etwas, von dem ich dachte: „Da bin ich mit allem, wie ich ticke, goldrichtig“. 

Als ich mit fast 43 Jahren vor meinem Textchef im Verlag stand und ihm mitteilte, dass ich kündigen werde, um mich selbstständig zu machen, antwortet er: „Das überrascht mich nicht, Sie sind ja eh ein Freigeist.“

Das wiederum überraschte mich. Kreativ – ja. Impulsiv – ja. Freiheitsdrang – ja, aber diese Sicherheit … die war doch immer wichtiger? Nun ja, inzwischen arbeite ich mit Klient*innen täglich an diesem Thema in meiner Praxis: Manchmal muss man ein paar Jahrzehnte leben und viel Persönlichkeitsentwicklung betreiben, bevor man Prägungen abschüttelt und zu seinem eigenen Kern durchdringt. Und auch danach lebt.

Meine psychotherapeutische Praxis habe ich mir (anfangs neben meiner Arbeit als Redakteurin für Psychologie und Gesundheit) Schritt für Schritt aufgebaut, mit allem, was dazugehört: nebenberufliche Ausbildung, eigene Psychotherapie, Businessplan, Gründungszuschuss, Weiterbildungen in Gesprächstherapie und zum Burnout-Coach, Ausbildung zum NLP-Practitioner und NLP-Master, minikleiner Raum, kleiner Raum, größerer Raum. Zwei Termine pro Woche, zwanzig Termine pro Woche, Erfolg, Stagnation, Verzweiflung, Freude, unbändiger Wille … spät abends noch an den Rechner, am Wochenende die Website, Blogartikel, Buchhaltung. Nein, ich trenne häufig Freizeit und Arbeit nicht, mein Laptop ist im Urlaub dabei – ich würde eingehen, wenn ich Ideen und Texte nicht unmittelbar notieren könnte und daran zwei oder drei Wochen nicht weiterdenken dürfte. Ich liebe meine Arbeit. Und ich liebe meine Familie, meine Freunde, meine anderen Interessen.

Nach ein paar Jahren bildete ich mich weiter zur Schreibtherapeutin und Seminarleiterin für kreatives Schreiben und Poesietherapie – da war die Idee, das Stärkende mit dem Kreativen zu verbinden – und ich sage Euch – Schreiben kann das ganz wunderbar. Der Soulwriters-Club war in meinem Kopf schon lange auf der Welt, das Logo längst entworfen und die Konzepte geschrieben, als ich im Sommer 2022 endlich den ersten Workshop anbot. 

Ich habe eine große Praxis angemietet mit wirklich wunderbaren Räumlichkeiten, ich habe Werbung geschaltet, Reels gedreht, Flyer gedruckt, Aushänge im Stadtteil angebracht, Instagram langsam ausgebaut – die Antwort waren volle Schreibworkshops und tolle Rückmeldungen, wunderbare Begegnungen und großartige Einblicke in die Herzen und Köpfe vieler Teilnehmer*innen. 

Ich könnte ewig so weitermachen. 

Und musste in den letzten Monaten feststellen: Kann ich nicht. 

Möchte ich nicht. 

Als Coach für Burnout-Prävention und Stressmanagement stelle ich fest: Es ist zuviel von dem einen und zuwenig von dem anderen. 

Nicht nur von XY Stunden die Woche möchte ich hier reden, sondern von den gefühlt fünf Hochzeiten, auf denen ich auch gedanklich gleichzeitig tanze – mein Hauptjob, meine psychologische Praxis, mein Roman, mein Sachbuch, an denen ich schreibe, ich begleite eine Sachbuchentstehung, ich mache Einzelschreibcoachings und konzipiere und gebe Schreibworkshops. 

Und ich habe eine Familie, Freunde, einen Hund und zwei Katzen, die ich wirklich gern um mich habe. Ja, die Kinder sind inzwischen Teenager, aber ich möchte mich trotzdem mit ihnen und ihrer Welt beschäftigen und für sie da sein. Am liebsten würde ich in meiner Freizeit noch mehr Klavier spielen, singen, mehr lesen und endlich wieder in eine Malschule gehen – von Sport ganz zu schweigen und gern würde ich auch mal ne Stunde gar nichts machen.
Und wenn da so viele „Ich würde so gern …“ sind, dann muss man sich eigenverantwortlich fragen: „Und warum machst Du es nicht?“ 

Die typische Antwort wäre: „Das geht nicht, dafür habe ich keine Zeit“. 

Und nun der nächste Gedanke: Es ist meine Entscheidung, keine Zeit dafür zu haben. 

ICH gestalte mein Leben – und niemand sonst. Es geht also um Prioritäten, um eine Selbstanalyse (#schönmichzusehen), um Entscheidungen – und die habe ich in der Ruhe der dänischen Landschaft im August getroffen:

Die Schreibworkshops machen mir soviel Spaß, bedürfen aber viel Zeit und Gedanken, was Akquise und Organisation in meinen Räumlichkeiten betrifft.

Also habe ich schweren Herzens entschieden, dass die im September startenden Schreibworkshops die letzten in dieser Art sein werden. 
Ab 2024 biete ich nur noch Schreibworkshops auf Anfrage von geschlossenen Gruppen von privat oder von Firmen an – oder Seminarhäusern, die einen Anbieter für ihr Programm suchen. 

Aus der Seite www.soulwriters-club.de wird in nächster Zeit www.juliaschroedergoeritz.de – um dort alle Aktivitäten rund um meine schreibenden Tätigkeiten zu versammeln.

Ich finde es wichtig, auch als Selbstständige in dem ganzen Insta-Wow-So-Wirst-Du-Trillionär-Ding zu sagen: Ich möchte wieder etwas downsizen, Tempo rausnehmen, gedanklichen Umfang händelbarer machen. Übrigens auch räumlichen.

Meine Praxistätigkeit steht für mich auf der Prioritätenliste ganz vorne und ich merke, dass ich mich darauf wieder mehr konzentrieren möchte. Ich lebe das Privileg eines für mich sehr sinnhaften Arbeitens und möchte die Freude daran behalten – ohne von einem Tun ins nächste zu hetzen. Und um einen meiner Lieblingssätze aus dem Stressmanagement selbst zu leben:
„Ich muss nicht alles machen, was ich kann.“ 

Was das für diesen Kanal hier bedeutet? Los, bucht die letzten Schreibworkshops! 🙂 Haha! Das wäre natürlich super – aber abgesehen davon wird es hier weiterhin Texte und alles rund ums Schreiben geben, nur die Workshop-Ankündigungen, die werden ab Ende Oktober nicht mehr im Content vorkommen.
Also – bleibt doch trotzdem noch ein bisschen hier, ich würde mich freuen.

Foto: Maya Meiners (https://maya-meiners.de)

Über mich – Auflösung 1

Biografisches Schreibratespiel

Hier die erste Auflösung meines kreativen Rateschreibspiels „Über mich“ vom 7. August 2023, die Nummer 5 ist wahr. Und das Ganze begab sich folgendermaßen:

Wieder ein Donnerstag, wieder auf dem Weg in den Kaiserkeller. Ich wohne in einem Stadtteil Hamburgs, der so charmant ist, wie diese dünnen Papierservietten in Eiscafés, die alles verteilen aber nichts aufsaugen. Mein Fiat Panda klappert unterhaltsam, das Autoradio funktioniert erst mit sanftem Fußtritt, es ist 21:30 Uhr, der Wecker klingelt auch die nächsten zwei Wochen um 6, doch ich bin jung und Nächte durchzumachen ist reine Trainingssache. 

Tagsüber bin ich in der Buchhaltungsabteilung der Holsten-Brauerei, die Stunden dazwischen verbringe ich auf der Tanzfläche unter der Erde oder bei Musikproben im Luftschutzbunker. Kurt Cobain ist seit über einem Jahr tot, doch es ist noch immer die Zeit des Grunges, des Alternativrocks, wir haben wilde, gefärbte Haare, karierte Hemden und dicke Boots an und ich bin auf der Suche nach coolen weiblichen Vorbildern und einem norddeutschen Eddie Vedder und versinke in „Reality Bites“.

Die besten Stunden, das sind die, wenn die schwere Tür des Bunkers nachgibt und wir die kühlen Räume betreten, in denen es im Erdgeschoss nach Urin und Muff riecht. Vier Stockwerke hoch, aufschließen – und drei Stunden das Beste der Welt machen: Musik mit Freunden. Schmerzende Arme an Wochenenden – wir schleppen Boxen und Instrumente, laden sie ins Auto, spielen in der Prinzenbar, auf dem Rathausmarkt, im Knust, Marxx … 

Das und der Kaiserkeller – zwei Orte, die meiner Melancholie und dieser immer wieder drängenden Frage „Wo gehöre ich hin?“ ein paar tröstende Antworten anbieten.

Dreißig Minuten später – ankommen auf dem Kiez, das Unmögliche schaffen: einen Parkplatz finden. Treppen runter in den Keller, Jacke beim DJ deponieren, checken, wer da ist, Selter holen, dann rauf auf die Tanzfläche und vier Stunden nur noch zum Trinken und kurz „Hallo“ sagen pausieren: Stone Temple Pilots, Garbage, Smashing Pumpkins, Pearl Jam, Soundgarden, ich bewege mich, ich schwitze, ich fühle jeden Ton, es ist, als polstere die Musik mich von innen gegen alles, was von außen kommen mag. 
Mit Tom, dem DJ, kurz schnacken, auch mal über Musik, auch dass ich Musik mache – ob wir ne CD haben? „Bring doch mal mit“! 

Ein paar Wochen später – wieder ein Donnerstag, alles wie immer, doch der DJ winkt mich ran: „Gefällt mir, spiele ich nachher mal was von, Nummer Sechs?“
Und dann die ersten Töne, das sind wir. „Lie to me“ – ein Song über Wunden und Wut, mein Herz schlägt schneller, es gehen mehr Leute auf die Tanzfläche, ich nicht. Hinter einem Pfeiler stehe ich – meine Stimme auf der Tanzfläche, ich scanne jedes Detail. Jeder Moment ist einmalig in seiner Zusammensetzung aus Tatsachen, Gefühlen, Projektion und Besetzung. Nichts wird sich je wiederholen. Ich schließe meine Augen und nehme ihn mir, diesen Moment, ich betaste ihn, ich präge ihn mir ein – und verwahre ihn an einem sicheren Ort.

Zwei Jahre später renne ich in meinen Doc Martens weg – vom Dasein als kaufmännische Auszubildende, hin zur Uni Hamburg. Ich habe meinen Teil der Abmachung erfüllt, das Ding ist abgeschlossen, nicht glänzend, aber ich habe jetzt einen Beruf. 
Ich habe jetzt also einen Beruf, den ich nicht mag und der mir das Gefühl gibt, zu altern bevor ich alt werde und beschließe: das kann es nicht gewesen sein. Also lasse ich den Wunsch meines Vaters platzen, lehne eine begehrte Übernahme dankend ab und studiere Journalistik, Germanistik und systemische Musikwissenschaften. 

Für Journalistik brauche ich ein Praktikum. Radio ist genau mein Ding, Delta Radio zu dem Zeitpunkt vor allem, ich gehe mit Kollegen auf Konzerte, lerne Interviews zu führen, Beiträge zu verfassen, zu schneiden, zu moderieren, treffe bei einer Pressekonferenz George Clooney und Greg Graffin, der Sänger von Bad Religion, hält mir eines Tages lächelnd die Tür auf, als ich Feierabend mache, wieder so ein Moment. 

Das Schönste aber sind die Feierabende mit Kollegen, exklusive Konzerte, Nächte an Bartresen, gute Gespräche, diese ganzen Monate – eine Zeit, in der ich mir, anderen und dem Leben sehr nahe komme, Leichtigkeit und Freude in so Vielem finde. 

Und dann sitze ich im Auto, donnere mein Radio in die Halterung, schlage mit der Handfläche hinterher, bis der Kontakt sitzt. Mein Kollege moderiert eine Sendung für Newcomerbands ohne Plattenvertrag – „Und als nächstes hört Ihr eine Hamburger Rock-Band, Novocane …“ Ich fahre nicht los, ich drehe lauter und lehne mich an die Kopfstütze. 

Ich wünsche mir in dem Moment, das Leben könnte so weitergehen – indem ich Orte finde, an denen ich mich richtig fühle, Menschen, mit denen ich ich sein kann, mit Augenblicken, die für die Ewigkeit sind. Dann drehe ich den Zündschlüssel. Probe fängt in einer Stunde an.

Stärkende Zitate

Als Kind wollte ich hören, dass alles gut wird, dass nichts Böses hinterm Schrank sitzt und es nicht schlimm ist, wenn ich eine Fünf in Sachkunde bekomme.
Und es ist gut, Kindern diese Sicherheit zu vermitteln. Ich persönlich habe es nie so gehalten, kleinen Kindern schon brutale Wahrheiten zu erzählen, ohne sie dabei „dumm“ zu halten.

Als meine Tochter mich mit 5 mal fragte, wann ich sterben werde, erzählte ich ihr, dass ich 100 werde. Sie lachte und schlief beruhigt ein – 100… das ist ja noch soo lange hin!

Auf Linkedin las ich neulich von einem Vater, dass er seinem Achtjährigen erklärt hatte, dass er nicht wisse, wann er (der Vater) stirbt. Dass er alt werden aber auch morgen tot sein könne. Das ist wohl die Realität, aber Worte haben Macht – und wir sollten sie mit Bedacht wählen. In meinen Augen muss ein Achtjähriger sich nicht mit der Wahrscheinlichkeit von herunterfallenden Dachziegeln oder plötzlichen Herzinfarkten beschäftigen.

Die Frage ist ja auch: Was für ein Bedürfnis steckt hinter der Frage – wirklich Aufklärung? Oder ein Wunsch nach Sicherheit bei ersten Gedanken an die großen Fragen des Lebens?

Als Erwachsene wissen wir, dass es diese Sicherheit nicht gibt und so manchen quält die Ungewissheit, dass Dinge schlecht ausgehen könnten – viele Menschen bleiben ihr Leben lang in Deckung aus Angst, es könnte sie treffen – und verpassen ihr halbes Leben. Könnte ich eine Versicherung gegen Schmerz anbieten, wäre ich wohl über Nacht Milliardärin, doch die gibt es leider nicht.
Also bleibt uns als einzige Sicherheit nur das Vertrauen in uns selbst, dass wir in der Lage sind, mit dem Leben umzugehen, dass wir uns aus allem herausmanövrieren und wieder aufstehen.

Und vielleicht brauchst Du genau diese Worte heute – oder verwahrst sie für später:

„Hier ist die Welt. Schöne und schreckliche Dinge werden passieren. Fürchte Dich nicht.“ ❤️ 
(Frederick Buechner)

Feste feiern

Feste feiern

„Ich hasse Geburtstage. Am liebsten würde ich wegfahren. Ich werde wieder ein Jahr älter – und was ist das für ein Grund, zu feiern… dass ich ALT werde?“, antwortet Freundin M. und guckt mich verständnislos an, als ich sie frage, wie sie ihren 45sten feiern wird.
Dieses Gespräch ist ein paar Jahre her – und gestern hatte ich Geburtstag. 48 bin ich nun. Oh, Moment, wie war das? „Über ihr Alter spricht eine Frau nicht“ – ach nein? Warum nicht? Und warum zur Hölle ist es unhöflich, eine Frau nach ihrem Alter zu fragen? Weil die Gesellschaft trotz aller „Pro Aging“-Produkte und „Ü40 und fabelhaft-Bücher“ daran festhält, dass Älterwerden den Frauen einfach nicht so gut steht? Dass wir uns für unser Alter schämen, uns trimmen und glatt halten sollen? Hier ein bisschen ziehen, da ein bisschen drücken und cremen, aber ey verflixt – in der „Blabla-Dingsbums“ stand neulich gleich neben der neuen Diät und den News von Kim Kardashians Hintern, dass man das wahre Alter an den Händen erkennt. Was machen wir denn jetzt? Den ganzen Tag Handschuhe tragen? Lange Ärmel zum Must-have erklären? Ganz ehrlich? Scheißt doch drauf. Feiert, Ladies! Zieht an, was Ihr wollt, schminkt Euch oder schminkt Euch nicht, zieht Euch nen Nasenring, fahrt Rollerskates, tragt knallroten Lippenstift, mörderische High Heels oder dicke Boots, lacht laut, brüllt im Fußballstadion, erzählt dreckige Witze und hüpft auf Konzerten – oder auch nicht.

Ich habe von einer Freundin eine tolle Namenskette geschenkt bekommen. Kennt Ihr diese Ketten mit dem geschwungenen Schriftzug? Auf meiner steht nicht „Julia“, auf meiner steht „Schnaps“. Finde ich extrem lustig, feiere ich sehr. Ob das altersgemäß ist? Pffff. Ich werde sicherlich nicht mehr innerlich die Gesellschaft befragen, ob ich etwas tragen, sagen oder denken darf. Zu dieser Einstellung würde ich übrigens meinem 20jährigen Ich raten. Aber ich schweife ab. Zurück zur Frage, ob ich meinen Geburtstag feiere, obwohl es nicht der 25ste ist. Natürlich! Warum? Weil ich es kann. Es ist für mich ein wunderbarer Grund, zu feiern, dass ich älter werden darf! Was ist denn schon Lebensfreude, wenn ich nicht feiere, dass ich gern lebe? Nein, ich bin nicht krank, nehme aber trotzdem meine Gesundheit und mein Leben nicht als selbstverständlich.

Also JA! Natürlich feiere ich meine Geburtstage – ich bin hier. Ich darf dieses neue Jahr feiern – und dafür bin ich verdammt nochmal dankbar. Und nein, es geht nicht um hinkende Vergleiche wie „Wie, Du magst Dein Essen nicht, denk an die hungernden Kinder in Afrika“ – es geht um eine Perspektive, für die ich mich aktiv entscheiden kann. Mit etwas Demut und ja, auch Dankbarkeit – und natürlich gehört mit der wachsenden Erholungszeit nach Parties und den Falten, die definitiv nicht nur Lachfalten sein können, auch etwas Humor dazu. Abgesehen davon hat Attraktivität und Schönheit – innere wie äußere – für mich absolut nichts mit Jahreszahlen zu tun.

Natürlich rücken wir der Endlichkeit mit jedem Jahr näher – und das kann sich bedrohlich anfühlen, die Vorstellung, dass meine Zeit oder die geliebter Menschen irgendwann vorbei ist – das lässt innerlich natürlich nicht die Korken knallen. Doch ändern werden wir es nicht – und beeinflussen kann ich nur eine Sache: Mit welcher Einstellung ich lebe.

Denn es ist mit dem Leben doch wie mit der Liebe: Aus Angst, verletzt zu werden, nicht zu lieben, kann das wirklich eine gute Wahl sein? Aus Angst, alt zu werden, nicht das Leben zu feiern, kann das eine gute Wahl sein? Hey, das hier ist keine Generalprobe. Wir haben nur diese eine Runde. Mit „sich grämen, dass ich älter werde“ die Zeit verbringen? Oder es so zu sehen: Mit 48 bin ich gerade mal 28 Jahre wirklich erwachsen. Wenn ich wie geplant 100 werde, dann liegen noch 52 Jahre vor mir. Wow! Das ist mal ne Aussicht.
Und wenn ich nun mit 40, 45 oder 55 auf ein Leben gucke, in dem nicht alles so ist, wie ich es mir erträumt habe? Wenn ich meinen Job hasse, mein Partner ne Wurst ist und ich eigentlich sowieso ganz anders bin als die meisten denken? Mensch, dann leg los! Du hast noch Jahrzehnte vor Dir, wenn alles glatt läuft. Mach doch was draus, worauf wartest Du? Niemand wird kommen, um Dir einen Passierschein in ein glückliches Leben auszustellen – nur Du selbst kannst Dir das erlauben.

Und ja, es gibt viel Schlimmes auf der Welt, es gibt Krankheiten, Kriege und Schicksalsschläge, und wenn Dich gerade etwas davon betrifft, dann bleibt die Musik auch mal aus, ganz klar: so eine Situation meine ich an dieser Stelle nicht, es geht mir nicht um krampfhafte Schönmalerei.

Aber wenn es der Alltag mit den weißen Strähnen, etwas steiferen Hüften und den herantrabenden Wechseljahren ist – dann kann ich nur sagen: Happy Birthday to me! Ich feiere nicht nur das Älterwerden. Ich feiere das Leben. Prost!

Schreibübung:
Wenn Dein Leben eine Party wäre – was für ein Fest wäre es? Wieviele und welche Gäste wären dabei, wen würdest Du nicht einladen, in welchen Farben ist dekoriert, gibt es ein Motto, wie ist die Musik im Verlaufe der Party, laut oder leise, Open Air, am Meer oder Fabrikhalle? Was gibt es zu Essen und gibt es Aufführungen, Spiele oder ähnliches?

Schreib Dich stark! Aus dem Angstfokus in die Zuversicht

Es gibt keine Versicherung gegen Schmerz. Kein Vertrag der Welt wird uns einen Schadensersatz für verletzte Gefühle garantieren, wenn wir jährlich etwas einzahlen, niemand kann uns garantieren, dass es weniger weh tun wird, weil wir genug Vorsorge betrieben haben. 

Und doch verhalten sich viele Menschen so, als wäre das das Wichtigste: Schmerz zu vermeiden. Sich vor Enttäuschungen zu schützen. Und doch geht es ihnen auch damit nicht gut. 

Denn wenn Du wie auf rohen Eiern läufst und Dich nicht traust, mal richtig aufzutreten, wenn Du Dich nur auf das konzentrierst, was kaputt gehen könnte, nicht auf Deine Bewegung, Dein Ziel, nicht auf das Gefühl beim Gehen, dann ist das übertragen für Dein Leben: Du gehst keine innigen Verbindungen ein, wechselst nicht den Job, ziehst nicht um, Du machst keine Mutsprünge, denn: es könnte schief gehen – und es könnte weh tun. Die häufigste Antwort in meiner Praxis, wenn ich frage, warum jemand etwas nicht tut, obwohl er/sie sich diese Veränderung so sehr wünscht, ist: 

„Ich habe Angst, dass es nicht klappt, dass ich wieder enttäuscht werde“ 

„Und was wäre, wenn das eintreten würde?“ 

 „Dann tut es weh“

 „Und dann?“

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Es ist wie bei vielen Themen eine Frage der Perspektive. Konzentriere ich mich auf meine Angst, die Vermeidung von Schmerz und überrede mich, trotzdem etwas zu tun, wovor ich Angst habe – und es geht dann schief, dann verfestige ich meine Angst. 

Mein Unterbewusstsein mit dem Fokus „Schmerzvermeidung/Schmerzerwartung“ sagt mir womöglich: „Siehst Du, wusste ich es doch. Es tut nur weh. Das hast Du jetzt davon! Immer wenn Du mal nicht aufpasst, nicht verletzt zu werden, passiert es!“ 

Was kann ich also tun, um nicht im Vermeidungsverhalten zu bleiben? 

Gib dem Schmerz seinen Platz. Er ist eh irgendwie im Raum, dann kannst Du ihm auch einen Stuhl anbieten, anstatt ständig angsterfüllt nach ihm Ausschau zu halten und Dich möglichst immer dort zu bewegen, wo Du ihn nicht vermutest. 
Und das Allerwichtigste: Mach Dir bewusst, dass Du mit ihm umgehen kannst, wenn er da ist. Schau auf durchschrittene Täler in Deinem Leben zurück. Wie bist Du da durchgekommen?

Schreibe auf:
Was bringt Dich durch die Nacht? Wo liegt Deine Stärke? Was in Dir trägt Dich? 

Mach Dir bewusst, dass Du es schaffen wirst, auch wenn Du enttäuscht werden solltest. Du wirst es nicht vermeiden können, in Deinem Leben schmerzhafte Erfahrungen zu machen. Nur eins ist sicher: Gefühle bleiben nicht. Sie verändern sich und verschwinden auch wieder, auch der Schmerz. Ja, er kann Spuren hinterlassen, aber das ist das Leben, es hinterlässt Spuren in jeglicher Tiefe und in jeglicher Schattierung. 

Du wirst viel Gutes verpassen, wenn Du aus Angst vor Schmerz nicht springst, wenn Du nicht hüpfst und wenn Du nicht rennst. Also – nimm alle Gefühle in Kauf, hab Vertrauen in Dich – und lauf los!

Foto: https://www.handcraftedfotos.de

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Zurück zu DIR!

Erst vor ein paar Wochen hörte ich seit Langem mal wieder eine Bemerkung zu meiner Art, meinem Charakter. Sie lautete in etwa so: „Ja, Du warst schon als Kind sehr begeisterungsfähig. Vielleicht manchmal etwas ZU begeistert.“
Vor 10 Jahren hätte meine innere Kritikerin – sie heißt übrigens „Frau Mieselpriem“ und ist eine hagere, ältere Dame mit einem sehr faltigen, langen Hals, einer runden Brille und streng zurückgebunden, gräulichen Haaren, sie ist immer in Dunkelblau gekleidet, meistens trägt sie Rock und Blazer und halbhohe Schuhe. Sie steht sehr aufrecht mit leicht erhobenem Kinn und kann eine Augenbraue so hochziehen, dass man meinen könne, sie rutsche gleich nach oben weg. Also, Frau Mieselpriem hätte vor einigen Jahren eifrig genickt, beipflichtendes Zeug gemurmelt und gleich mal gescannt, in welchem Bereich ich denn jetzt und hier mal wieder zu begeistert sein könnte und wo ich mich etwas dämpfen sollte.
Heute klappt ihr Mund auf – und stumm wieder zu.
Wie ich sie zum Schweigen gebracht habe? Kurz gesagt: durch jahrelange Persönlichkeitsentwicklung. Durch die Reflektion der Vergangenheit – ich habe hässliche Glaubenssätze hochgenommen und ans Licht gehalten, sie betrachtet, habe sie auseinander genommen und schließlich neue geschrieben.
Und durch das Aufschreiben meiner Begeisterung und meiner Gefühle und der Energie, die es mir gibt, wenn ich Feuer und Flamme für etwas oder jemanden bin. Ich schrieb Erlebnisse mit allen Sinnen auf – aus Erinnerungen heraus, die sich ihren Weg aus meinem Unterbewusstsein nach oben bahnten. Ich bin meinem inneren Kind begegnet, der 20jährigen, der 35jährigen – und habe sie aus neuen Perspektiven wahrgenommen.
Wie ich das gemacht habe? Unter anderem mit Methoden aus der Schreib- und Poesietherapie.

In meiner Fortbildung zur Seminarleiterin für Poesietherapie und kreatives Schreiben schrieb ich aus solch einer Übung heraus ein Pantun (eine malaysische Gedichtform) – unter anderem mit den Worten „Diese Kompromisse – ich probiere sie kurz an (…) dieses Dazwischen – es passt mir nicht.“ Ich habe mir den Text und das Pantun dazu immer und immer wieder durchgelesen – DAS bin ich. Und es unterstützt das Selbstwertgefühl, das immer wieder zu lesen, meinem Unterbewusstsein damit zu sagen „SO bist Du – und das ist gut so!“, denn ja, die „Programmierung“ funktioniert auch im Positiven, und durch das Aufschreiben festigen sich Glaubenssätze umso mehr.

„Wer bist Du ohne Deine Prägung“ – ist eine wichtige Frage, die sich Viele von uns irgendwann im Leben stellen, wenn wir spüren, dass wir nicht am richtigen Ort oder mit den richtigen Menschen leben, wenn irgendetwas fehlt oder zuviel ist.
Uns bewusst zu machen, wie oft wir uns limitieren, kritisieren, maßregeln oder in Frage stellen, wie häufig wir Dinge tun, weil „man das so macht“ oder etwas lassen, weil wir nun einmal „nicht alles haben können“ und „nicht so XYZ“ sein sollten, ist Teil des Prozesses.

Und wenn wir dann weiterdenken und -fühlen, kommen wir vielleicht zu dem Schluss, dass wir doch und verdammt noch einmal gerade SO sein sollten, weil wir im innersten Kern genau SO sind und genau DAS nun einmal tun wollen? Und dass das Limitierende, das Kritisierende gar nicht zu uns gehört, nicht Teil unserer Persönlichkeit ist, sondern von außen auf uns draufgedrückt wurde …?

Mit 47 Jahren kann ich sagen, dass ich ohne meine ungezähmte Begeisterung nicht ich selbst bin. Dass ich einige Dinge in meinem Leben, die mich glücklich machen, gar nicht tun würde ohne diese wunderbare Leidenschaft.
Dass ich es liebe, die Momente immer noch und immer wieder erleben zu dürfen, in denen mir kurz die Luft wegbleibt, weil die Welle mir im Inneren vom Bauch hoch in den Hals, über mein Gesicht bis in die Augen flutet – mein Herz dann doppelt schlägt, ich nicht stillstehen kann und mir vor Glück und Begeisterung auch mal die Tränen kommen.
Ich möchte das nicht dämpfen, ich möchte jubeln! Denn so bin ICH.

Wie bist DU?

Wenn Du das in einer kleinen Gruppe mit anderen schreibend herausfinden möchtest, dann melde Dich gern an zum Intensiv-Seminar „SO bin ich“ – am 19. Und 20. November 2022. Drei von sechs Plätzen sind noch frei. Infos und Anmeldemöglichkeit findest Du hier!

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Alles, was ich nicht sagen kann … kann ich schreiben!

Manchmal tut es gut, Dampf abzulassen, wenn die Gefühle drücken, mir immer wieder mit spitzem Finger in den Bauch pieksen – denn mal ehrlich: wie oft sind wir einfach nur diplomatisch? Na klar, immer rauszuhauen ist nicht unbedingt ratsam, denn auch wenn Authentizität ganz oben steht, wäre man wohl irgendwann ziemlich allein auf der Welt, würde man alles genau so aussprechen, wie man es denkt.

Aber da gibt es die Worte, die in uns schlummern – fein säuberlich gefaltet oder nachlässig reingeknallt in Schubladen unseres Innenlebens.
Worte, die wir gern mal rauslassen würden – ohne Filter, Regulation, ohne „Das sagt man aber nicht“, ohne Konsequenzen.

Also leg los! Schreib einen Brief, ein Pamphlet, die Rede zum 70sten, die Du nie halten wirst – zig Lieblingsschimpfwörter in einem Absatz, ohne darüber nachzudenken, ob das jetzt konstruktive Kritik ist oder angemessen formuliert! 

Warum das Ganze? Schreiben stärkt auch durch Entlastung. Raus-schreiben, ent-schreiben, los-schreiben.
Das macht nicht nur leichter, das kann sogar Spaß machen – mal richtig die verbale Sau rauszulassen. Trau Dich!

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Chef, Lehrer, Ex-Partner*in, Eltern … – wem würdest Du gern mal so richtig die Meinung verpulen?
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„Ganz und gar man selbst zu sein, kann schon einigen Mut erfordern!“

Soulwriters-Club

Na dann – her mit dem Mut! 
Mit einer tollen Schreibübung, die Dich darin bestärken soll, so zu sein, wie Du bist – mit all Deinen Facetten, Ecken und Schrägen, Kanten und Wunderbarheiten: Zeig Dich! Pfeiff auf Trends, auf „Das kannst Du doch nicht machen“, auf „Was sollen die Leute denken“, schüttle die Konventionen ab.
Fang schreibend damit an. 
Denn auf Papier kannst Du alles sein!

❤️ Hab mindestens 15 Minuten Zeit
🖌 Schnapp Dir einen Block und einen Stift
❤️ Und da Stress ein Kreativitätskiller ist, mach doch vorher noch Folgendes:
🖌 Atme tief durch die Nase mindestens 4 Sekunden in den Bauch ein, kurz halten und den Druck wahrnehmen, dann durch den Mund langsam kontrolliert ausatmen. Wiederhole das 3 Mal. 

❤️ Und nun schließe die Augen und stelle Dir folgende Frage:

„Wenn ich allen Mut und alles Selbstvertrauen hätte – dann wäre ich …“

🖌 Öffne Deine Augen – und schreib drauflos!